WELTCROSSERBE

Parchimer Querfeldeinrennen #58

Parchim, B231 Sonnenberg, 05.11.2017

 

Wir haben das Jahr 1959. In Parchim findet ein Querfeldeinrennen statt. Das ist mit einem stählernen Rennrad auf unbefestigten Wegen fahren und dabei kommt es darauf an, durch Materialschonung und Bodenhaftung das Ziel zu erreichen. Nicht aus den Riemen und Haken zum müssen, damit da die Schuhe noch weniger Halt als die Reifen bieten. Seit 7 Jahren ist Parchim von Hamburg durch eine Sperrzone getrennt.

Zwei Jahre später ist es ein Rennen für Starter aus dem Ostblock, in Berlin ist die Mauer gebaut wurden und der Grenzverkehr eingestellt.

 

1968 werde ich geboren. Nach fast 30 Jahren internen Wettkampfes wird 1989 die Grenze geöffnet und ein Bub mit meinen Vornamen gewinnt das Kinderrennen. Jan Ulrich kommt später zu anderem Ruhm, Straßenbelag liegt ihm besser. Weitere 15 Jahre später erfindet Stevens das Querfeldeinrad neu und nennt es Cyclocrosser. Aus Carbon. Shimano hat schon lange Klickpedale auf dem Markt.

 

 

Heute findet die 58. Ausgabe vom Parchiner Querfeldeinrennen statt. Und es ist Crosswetter. Ich bin zum ersten mal dabei. Wie schon geschrieben, ich hätte eh nicht alle 57 mitfahren können. Und so hole ich mir die Startnummer auf Stoff zusammen mit Jörg the Crossland, bei der guten Frau ab. Sie sitzt im Kofferraum von einem Wagen westlicher Bauart. Die Startnummern liegen im Kofferraum gegenüber in einem anderen Wagen. Eine Starterliste gibt es auch, gedruckt mit Nadeln. Wasserfest, denn der Regen ist überall. Unser Beschluss ist klar, Strecke ablaufen, Rad schonen, dafür ein paar nasse Schuhe mehr. Nach einer Runde, die schön einfach und doch crossig ist, den Hobbyfahrern noch Tipps über den Luftdruck geben:. 3 bar ist zu viel heute, 1,8 tun es auch. Etwas angewärmt probieren wir unsere Räder im Startbereich aus. Und schon wird zum Start gerufen. 5 Crosser finden sich ein, der Rest ist in Kiel beim Stevenscup, bei der EM oder auf dem trockenen Sofa. Also kein Problem, das Elite und alle Senioren in einem Rennen starten.  

 

 

Lange geht es bergauf, dann Kurve und Matsch, aber fahrbar. Die jungen Leute starten einfach schneller und so komme ich als Zweiter in die Abfahrt. Lang gezogene Linkskurve mit tiefer Rinne in der Mitte, Ein Fluss hält alles sauber. Alles endet in einem See, bevor es wieder nach oben geht.

 

 

 

Unfahrbar, also laufen. Wieder sind junge Beine schneller. Folgende Abfahrt ist gerade, tief, schlammig und doch mit Spurrillen und Laub voll. Die Jugend hat mehr Mut und ist weg. Hier kommt Crossfahrtechnik zum Einsatz. Ich erinnere mich, laufen lassen und das Rad sucht sich seinen Weg. Bremsen braucht keiner.

 

 

Dann ein Graben, wo das Vorderrad genau reinpasst. Ich laufe. Tiefer Waldboden und noch ein kurzes Stück fahren, dann der wellige Anstieg. Unten laufen mit Puls an den Haarwurzeln, aussitzen und Gripp finden. Oben das Ziel und ein Wasserweg mit etwas Gras hin zur Abfahrt.

 

 

 

Der Rest ist kurz erzählt. 8 Runden in 40min, sonst werden 11 in der selben Zeit gefahren. Der Graben stoppt mich in der zweiten Runde, gehe über den Lenker, ab der dritten Runde wird der diagonal gefahren-so einfach ist das. Nicht einfach ist es den Berg hoch zu laufen. Ich kann durchhalten und wandere nicht. Das Material hält auch durch. Nur die Bremshebel lassen sich ab der sechsten Runde durchziehen ohne Widerstand. Aber das ist kein Widerstand zum weiterfahren, letzte Runde wird halt die Linkskurve zum See runter gelaufen. Es läuft gut heute und so komme ich als erster an, die Jugend hat die Berge nicht so gut verkraftet.

 

 

 

Am Ende fragt keiner nach den Umständen, weshalb heute das 58. Podium mit Hamburg und Berlin besetzt ist. Jörg the Crossland wird Zweiter. Die Jugend bekommt eine eigene Wertung. Ein gutes Gefühl da zu stehen, wo seit 58 Jahren schon viele Seelen geehrt wurden, manche schauen von oben zu, manche führen ein normales Leben und andere fahren cross.

 

Hamburg im Pokalrausch

 

Es soll weiter gehen, mindestens bis zur 60. Austragung, denn dann gibt es mehr Parchimer Querfeldeinrennen als Friedensfahrten. WELTCROSSERBE (WeltXerbe). Antrag bei der UCI läuft.

 

Bilder sind netter Weise vom Veranstalter zu Verfügung gestellt worden

 

Wiki schreibt:

Der Radsportverein „Vorwärts“ Parchim wurde 1990 gegründet, nachdem es die Armeesportvereinigung Vorwärts mit dem Ende der DDR nicht mehr gab. Vorgänger der ASG Vorwärts Parchim, die seit Dezember 1977 bestand, war die Sektion Radsport in der BSG Einheit Parchim, die 1953 gegründet wurde. Die damalige Radsport-Sektion der Betriebssportgemeinschaft Einheit Parchim (BSG) führte 1959 das traditionelle Querfeldein-Rennen erstmals ein, eine Disziplin des Radsports die im Oktober 2009 zum 50. Mal ausgetragen wird.

 

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