Ich brauche keine UCI Nummer, ich kann fahren

München, Olympiapark, Deutschland-Cup 08.10.2017

 

Der rapha supercross Munich genießt einen hervorragenden Ruf. Auch wenn in 2016 die Rasenflächen zu Rutschbahnen, und eine kleine Reihe Kopfsteinpflaster zur Todeslinie wurde, die Veranstaltung ist sogar noch durch die Teilnahme am Deutschland- Cup aufgewertet wurden. Heuer ist der Hauptsponsor rapha weg und der Regen auch, nur ein Kantstein wird für mich zum Tod. 

 

 

München liegt nicht wirklich zentral in der Republik, so fahren wir etwas länger in den Süden. Mit dem ICE. Räder gut verpackt. Nur der Zug ist voll gepackt mit Menschen. Es fehlt die Hälfte der Wagen. Und so nehmen wir den IC, kommt fast genauso schnell in Würzburg an, haben mehr Platz und weniger Fahrgäste. In Würzburg steigen wir in den ICE3 um, der hat auch ein schönes Stellplätzchen für Fahrräder, ähh große Gepäckstückte. In München lacht die Sonne und wir gehen in den englischen Garten. Eine hervorragende Stelle für Crossrennen, ist aber englischer Rasen und so rasen nur die Surfer auf der Welle am Eisbach cross und quer.

 


 

Da die Sonne am Freitag auch noch scheint, machen wir eine kleine Ausfahrt im Isartal. Die einzigen Hügel ausser dem künstlichen Berg im Olympiapark. Raus aus dem Dorf, rein in das Tal. Flussaufwärts rechts rollt es gemütlich dahin, Steigungen gemäßigt und am Ende wartet der Biergarten.

 

 

 

Die Kette klackert ein wenig, hat mir in Norderstedt eine Rolle weggefahren. Also mal weniger Spannung auf die Kette bringen. Flußabwärts auch wieder auf der rechten Seite. Wir werden von einem Crosser überholt. Ich fahre hinterher und frage nach dem Start beim Deutschland-Cup. Hobbyklasse am Samstag. Er braucht keine UCI Nummer, er kann fahren. Und schwitzt davon. Es ist vielleicht gut zu wissen, das in München die Hobbyklasse sehr aufgewertet ist. Es gibt am Samstag drei Vorläufe und jeweils die ersten 20 kommen ins Finale am Sonntag, welches nach der Elite gefahren wird.

 

 

 

Wir genießen noch die Aussicht und wundern uns über die Straßenverkehrsordnung im Wald. Ich finde die verbotenen Isartrails und fahre einen. Schon nicht ohne, aber machbar mit dem Crosser. Leicht überbewertet für die ländliche Gegend. Für eine Stadt schon ein Highlight. Und schon sind wir zurück im Dorf. Die Sonne steht noch hoch über der Frauenkirche, für heute reicht es aber.

 

 

Auf in den Olympiapark, Streckenbegutachtung. Die Ausschilderung ist nicht nötig, ein paar Kurven Richtung Stadion und schon ist das Flatterband zu sehen. Der erste Eindruck trügt. Die Strecke ist schnell und hat kraftzehrende Elemente. Auch ist ein gewisser Mut gefragt. Ich habe alle Zeit der Welt und kann Teile auch wiederholen. Der Unterschied zu morgen ist, das heute kein Tau auf der Strecke ist. Und so fahren wir auf der Tartanbahn, rollen Schräghang und tragen über Hindernisse. Der Kollege ohne UCI Nummer macht sich auch schon warm und schwitzt. Die Vorläufe schauen wir uns gerne an. Leider auch hier nur 5 Frauen am Start. Sie kommen automatisch ins Finale. Etwas Spannung bringt es, den Fahrern ihre Platzierung zu zu rufen. Um die Nummer 20 kommt dann ein kleines P in die Augen. In 4 Runden ist dann auch nicht mehr viel zu retten. Die Sonne hat uns unser Haut verbrannt und wir brennen in die Wohnung. Vielleicht war die Höhensonne auf dem künstlichen Berg zu viel.

 

 

Jetzt ist Sonntag.

 

 

Supercross schreibt Superlative. 9:25 Uhr ist Start für mich. Früh wie nie, nur ein Jugendrennen war vorher. Und der Tau hat die Strecke etwas rutschig gemacht. Kleiner Räderversatz am Schräghang. Startaufstellung. Als aufgerufener Vierter darf ich mir einen Platz in der ersten Reihe aussuchen. Wir wissen alle, das bringt nix bei mir. So kommt es auch. Komme nicht in die Pedale, komme als drittletzter in die erste Kurve. Und bergauflaufen können die hier auch. Dann noch Schaltfehler am ersten Anstieg und schon letzter. Irgendwie kann das nicht sein, überlebe nur knapp die Todeskopfsteinpflaster und sehe nur Hinterräder. Bin auch viel zu langsam unterwegs. Also Druck erhöhen und später bremsen. Und so kann ich aufschließen, überholen und einreihen. Aber bergauf laufen bringt mir hier keine Vorteile. Das Alpenvolk hat das in den Genen.

 

 

Als L.Aura mir den 11. Platz verkündet, bin ich auch richtig warm. Aber nicht müde. Hinter mir bleiben auch hartnäckig zwei kleben. Das kann doch nicht sein, die habe ich doch gerade überholt und es ist die letzte Runde. Da werden noch mal Kräfte frei, da muss eine Sicherheitslücke her. Auf der schnellen Kurve an der Wechselzone kann ich die auch herausfahren und bekomme sogar Blickkontakt zum nächsten Hinterrad vor mir. Wenn da nicht der Todeskantstein wäre, der mir hinten die Luft raubt. Bei den Hürden muss ich eh absteigen und so kann ich gleich weiter laufen. Und schon huschen die ersten wieder vorbei. Auf den Geraden kann ich fahren, doch in den Kurven muss ich laufen oder ganz langsam fahren. Schlimm wäre jetzt, wenn sich der Mantel löst und die Felge blockiert.  Zielsprint kann ich auch vergessen und so komme ich als 20er an. Hat trotzdem richtig Freude gemacht, weil überall Leute stehen und es mitten im Dorf ist. 

 

 

 

Brotzeit und senieren, bin ja Senior.

 

Senior 2 und ewiger 2. bis 2016, Dano, rollt sich gerade ein, muss mit den U19 Jungs zusammen starten. Ich frage ihn:

 

Dano, heute sollen 26 Grad werden. Wann startest du? Früher!

 

Und so sitzen wir in der Sonne, flicken Reifen und sehen wie Tim und Tom über die Hürden springen und gleich den Berg hochfahren. Dano läuft als Sen2 den Hügel hoch und kann sich über einen Sieg in München freuen. Der Saupreuß. 

 

Die Damen starten gleich im Anschluß. Beni kann gut mithalten, vorne geben sich Stevens und Edelstein die Ehre. Und wir müssen zum Bahnhof. ICE fahren, runter nach Hessen. Deutschland-Cup ist eine schöne Sache, die Strecke hat Klasse.

 

ja mei, schö wars

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