The way 2 P-WAY


Ich fahre nicht schneller als 40 Stuckies; Ich fahre hier nicht den Wurzelweg vom Hohen Meisner runter. Nichts als leere Worte, hinter mir springen die Stollenreifen fröhlich über Kanten und dann steht da als Maxspeed 56 Stuckies auf dem Tacho, der vergisst sein Geschwätz von eben nicht.

 

20km, so weit, kann doch keiner laufen, und das auch noch bergauf und ab. Und dann steht da die Hessische-Hobby-Bergmeisterin AK. Was geht ab?

 

Eine Woche nach dem P-Weg 2016 treffe ich Laura. Durchschnittsanachistin. Ich erkläre ihr kurz den Sinn des Lebens und Sie läuft los. Schuhe aus der ewigen Jugend, seit 10 Jahren der gleiche Knoten, voll abgerockt die Treter, aber bequem. Reicht ja auch vom Zigarettenautomat über den Getränkestützpunk(t) bis ins Bett. Aber nicht für 20km. Und ganz zufällig bringt der Weihnachtsjan noch Klickpedale mit Schuhen dran. Das ersetzt die etwas unmodischen Fußfesseln Hacken und Riemen. Und macht schnell frei. Von 0 auf Rad und in die Laufschuhe.

 

Schnell wird auch der Laufradius größer, nicht nur durch neue Flitzer aus dem Göttinger Laufladen, auch durch fallende Grenzen im Kopf. Der Wiederstand gegen Veränderungen ist gebrochen. Und noch bevor die Anmeldung zum P-weg offen ist, wird der Restschnee bei Frau Holle auf dem Meisner erlaufen. 18km. Was stört mich meine Denke von Gestern.

 

 

Und wir bekommen unter Opferung unseres Nachtschlafes zwei Startberechtigungen über die online-Anmeldung zum 13. P-weg. Kombi kurz und lang. Laufen am Samstag und Fahren am Sonntag Freiwillig. Schnell überweisen und noch schneller ein paar Kilometer im eisigen Wind über die Höhenzüge laufen, im Regen ein paar Kurbeln drehen. 

 

 

Und tatsächlich kommt etwas Sommer. Und auch die 100km Grenze im Sattel fällt. Nur der Halbmarathon ist nicht sicher, die 20km werden noch gelaufen, 470hm am Stück bei der hess. Bergmeisterschaft, aber das alles ist nicht P-weg.

 

Der rückt endlich immer näher. Ich bin nicht viel gelaufen, dafür stetig. 15km war das Llängste, auch habe ich die Entziehungskur von der Langstrecke auf dem Rad erfolgreich bestanden und bin nur noch 200km am Stück unterwegs. Dafür nicht mehr im Flachen. Das sind verschenkte Meter.

 

 

Und so rollen wir zeitiger als bei meinen letzten 12 Teilnahmen am Freitag vor die Turnhalle und holen uns die Starterbeutel. Nicht erkältet, am Mittwoch letzte Einheit zur Muskelbildung und -erhaltung gemacht und Laura hat schon seit fast 12 Monaten erkannt, das ein Sinn des Lebens ist, die Beine zu bewegen. 

 

Auf den ersten Blick scheint die Farbe 2017 lichtgrün zu sein, eine der wesentlichen Fragen ist damit beantwortet.

 

Da die Zeit unwesentlich in Plettenberg ist, traben wir Pasta essen. Und Laura geht es wie mir im ersten Jahr, 2003. Die Orientierung geht zwischen den Häusern verloren. Aber keiner geht verloren, denn es ist alles vorbildlich ausgeschildert. Auch nach all den ganzen Jahren herrscht keine Betriebsblindheit in der Organisation.

 

Und so gibt es reichlich Pasta, untermalt vom Kidsrennen und dem Plätschern des Regens. Doch können die Moderatoren die Stimmung hoch halten, das elterne Publikum feuert den Nachwuchs an und jeder Kurzbeiner geht als Sieger nach Hause. Und wir Richtung Turnhalle. Am Startbogen treffen wir Steffi und Dennis. Auch P-weg infiziert und was Laura in 12 Monaten geschafft hat, dafür benötigte die Duisburgerin 48 Monate. Kombimeldung. Dennis ist auch so weit, obwohl er mit mir 2011 bei den 24h von Duisburg seinen ersten Drachen erlegt hat. Der kann mehr.

 

 

Beide sind guter Dinge und stapeln gewohnt tief. Ich peile den Marathon morgen unter 4h an. Ich staple hoch.

 


Wandertag

 

Es regnet. Welches ist die richtige Kleiderwahl? Dagegen ist Bundestagswahl unwichtig. Kalt und Regen am Start, später droht Sonnenschein. Also mal die Schlumpfmütze mit dem nordischen Abzeichen antesten. Was die Ultraläufer anziehen, ist nicht wegweisend, denn die sind ultra unempfindlich. Und so legen wir uns auf einer kleinen Matratze zur ruh. Kurz. Ultraläufer stehen auch extrem ultra früh auf.  So genießen wir noch ein paar Stunden am morgen mit Bettwärme, während draußen der Regen auf die Fensterbänke tropft. Auch dann gehen wir zum extrem gemütlichen Frühstück, vorher werfen wir noch ein Blick auf den Start der Entfernungslosen. Ich kenn das von Radfahren, je weiter die zurückgelegten Entfernungen, desto weiter entfernt vom Verständnis der Mitmenschen. Die Kilometerzahl ist umgekehrt proportional zur Bekanntenzahl. Den es gilt: Auf Verständnis folgt Sinn, das bereitet den Weg zu Neuen. Oder gleich zum P-Weg.

 

Wir frühstücken gesellig und erahnen den Service, der uns auch weiter draußen geboten wird.

 

Noch mal kurz in die Turnhalle, Leibesertüchtigungskäfig, und ein wenig die Beine biegen. Und wie immer, ist der Turnhallenschläfer nahe am Start und muss nicht ewig im Regen stehen. Es ist auch kein Regen, der Himmel verliert Freudentränen, denn the way 2p way ist vollbracht. Das ist nicht selbstverständlich. Markus hat letzte Woche seine Mutter verloren, ich hatte 2009 Rücken und 2007 hatten wir alle Kyrill. 

 

 

Und als ich auf Höhe der Toilettenwagen bin, sagt der Sprecher: "wir starten...den Tanz der lokalen Hüpfdolen(hat er nicht gesagt)". Und ich glaubte endlich mal zu spät zu kommen. So konnte ich mich noch einreihen und alsbald gegen Himmel zur Ziege laufen. Und hinten wieder runter und lange wieder rauf. Nur nicht gehen, das schadet dem Flow. Auf dem Col de Nebel erste Vollversorgung. Ich glaube, was ich hier nicht esse, fehlt am Ende. 

 

Quelle: https://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.theblaze.com%2Fwp-content%2Fuploads%2F2012%2F07%2FAC-DC.png&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.theblaze.com%2Fnews%2F2012%2F07%2F24%2Fthunderstruck-iranian-computer-systems-hit-with-acdc-attack%2F&docid
Quelle: https://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.theblaze.com%2Fwp-content%2Fuploads%2F2012%2F07%2FAC-DC.png&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.theblaze.com%2Fnews%2F2012%2F07%2F24%2Fthunderstruck-iranian-computer-systems-hit-with-acdc-attack%2F&docid

Und dann, ich hatte es fast vergessen, bevor es wieder ins Tal geht, die AC/DC Kurve. Und gerade jetzt, etwas THUNDERSTRUCK. Ich muss mit meiner Luftgitarre einbeinig um die Kurve. 

 

Was nicht fehlte, sind warme Klamotten. Overknee pans, Ärmlinge und Weste sind etwas viel. Mütze wird nur mitgeführt. Falls der Himmel noch mal über meine Getrampel lacht. 

 

Im Tal des Todes steht jetzt das Gerüst vor der Kirche am Ufer. Gleich nach dem Altenheim. Findige Pflegerinnen, der am meisten unterbewertete Beruf neben Ehrenämtlern, haben den ersten und 2. Rang eröffnet. So kommt der Jubel auch vom Balkon. Zum 40. P-weg möchte ich auch da sitzen.

 

Und die Sonne lacht, macht warm und mich schwach. Schleppe mich durchs Tal, tödlich überhitzt. Selbst ein paar Liegestütz bringen keine Besserung. Und so taumel ich an der Mühle vorbei, merke mir jeden Stein nach dem Bach und vor der Straße. Verpflegung, ich gehe. Sonja aus Herborn, Hesse, läuft an mir vorbei. Ich folge, wir tauschen uns kurz über den Greifensteinlauf aus und an der vorletzten Verpflegung zieht sie strack us davon. Auf zur letzten Kuppe, Sirene im Tal, 12uhr und somit 3:30h gelaufen. Noch 7km, das wird wieder nix unter 4. Schadensbegrenzung und kein Krampf bekommen. Letzte Verpflegung, es gibt Maggie ins Wasser. Das reguliert den Salzgehalt im Körper. Und so rolle ich ins Tal. An der Disco an der nächsten Kurve singt Madonna. Like a virgin. 

 

Gelegenheit das Interview mit Laura zu texten, welches ich später geführt habe. Sie ist heute jungfräulich auf dem Halbmarathon unterwegs.

 

Welche Schuhe hast du zum laufen gewählt? 

 

Haben die noch tüv?

 

Aber wie kannst du bei Regen Lust auf Laufen haben, ist da nicht kuscheln mt der Bettdecke angesagt?

Ging ja zig Anderen nicht anders. Jetzt mal die allgegenwärtige Frage an dich als Jungfrau in Sachen P-weg. Was hat dich erstaunt?

Was überrascht?

Was gerockt?

Was geschockt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch ne frage an eine ex Jungfrau in Sachen Strecke. Du bist noch nie Halbmarathon gelaufen, war das weit? Und wie weit? 

 

 

 

War es von Vorteil die Strecke nicht zu kennen und nicht zu wissen, was als nächstes kommt?

 

 

 

Jetzt mal zu deiner Leistung. Ganz stark. Da brauche ich nicht nach Schwächen fragen. Wo warst du besonders stark? 

 

Jetzt mal etwas Tiefsinniges. Viele Menschen machen Sport um schön zu sein. Gerade laufen ist das, was im fiti richtig Geld kostet. Bauch , Beine, Po. Die Folge davon ist gesteigertes Selbstwertgefühl, wenn dir nachgepfiffen wird. Kannst du noch von anderen mentalen oder körperlichen Stärkungen nach so einem Lauf berichten? 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was würdest du anderen Menschen mit auf den Weg geben wollen, außer P-weg? 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was würdest du sagen, wenn die neue Generation ab Baujahr 2000 zu dir sagst:" Eh Laura, was geht?"

A) ich laufe, gehen wollen babys

B) geh mir aus den Augen , alter.

C) Marathon geht immer

D) geh mit Gott, aber geh

E) P-weg

Kommst du wieder? 

 

Hat sich dein leben verändert? 

 

Der Sinn des Lebens?

 

Vielen Dank, Laura aus Bad Sooden Allendorf, Ortsteil Orferode.

Die blauen Brooks

 

 

Ja, die sind von diesem Jahr

 

Meine Bettdecke war zu Hause, deswegen fiel diese Option weg.

 

 

 

 

 

 

Dass eine Stadt im Sauerland, so viele Menschen zusammen bringt, die alle mithelfen, diese Veranstaltung zu realisieren. Den Sauerländern sagt man ja eher nach, dass sie dröge sind. Das Ganze hat mich schon von Anfang an an Wacken erinnert, nur ist das natürlich viel größer, aber der Zusammenhalt ist derselbe

Dass so viele Menschen an der Strecke gejubelt haben, Musik gemacht, getrommelt, geschrien, Hinweise gegeben und gute Stimmung gesorgt haben. Auch die Organisation an den Verpflegungspunkten war 1A.

 

Gerockt hat mich, dass ich plötzlich nicht mehr darüber nachdachte, wie schnell ich den Berg runter fahre.

Ein Kind, dass mit seiner Mutter an einem Singletrail bergab stand und das Kind seine Mutter fragte:"Wieso fährt die so langsam"?

 

Das war weit, wobei man ja eine Runde läuft und somit ja eigentlich keine Strecke zurück legt, weil man wieder da ankommt, wo man los gelaufen ist.

Wie weit ist ein Halbmarathon, hm gute Frage, ich dachte immer ein Marathon wäre 42,8km, ich glaube aber das das nicht stimmt. Also ist ein halber aber ungefähr irgendwas mit 21km.

 

Ja sehr zum Vorteil. Aber der größte Vorteil war, dass da noch andere waren und klar war, dass bis zum Ende gelaufen wird. Das war ich im Kopf viel einfacher als die 20km, die ich zum üben in Runden um einen See gelaufen bin. Das waren 10 Runden und musste meine Gedanekn disziplinieren, damit sie mir nicht einen Strich durch die Rechnung machen.

 

Ich war besonders stark darin zufrieden mit mir selbst zu sein und mich nicht mit den Anderen zu vergleichen.

 

 

 

Das Laufen macht mit mir, dass sich meine Füße und Sprunggelenke stark anfühlen. Das gibt mir Erdung und das Gefühl stark und mobil mit meinen eigenen Beinen im Leben zu stehen. Weit Laufen und Fahrradfahren zu können gibt mir auch das Bewusstsein etwas zu können, was andere nicht können. Nicht dass sie es nicht könnten, sondern sie tun es einfach nicht. Das ist aber auch nicht so wichtig, ob sie es tun, wichtig für mich ist, dass ich es tue, weil es für mich eine Art der Selbsterfahrung ist. Ich bin viel stressresistenter geworden, weil ich jetzt weiß, was wirklicher Stress ist. Nämlich zb 10km einen Berg hoch laufen. Wenn man das kann, werden andere Dinge im Leben kleiner und sind einfacher zu händeln. Es geschieht viel in mir, wenn ich laufe oder radfahre. Oft wird auch Altes getriggert, was dann hochkommt, in Emotionen, Gedanken oder Erinnerungen. Manchmal auch der normale Lebensfrust aus aktuellen Situationen bis hin zu tiefen Schmerz hier überhaupt auf der Erde zu sein, und mit den menschlichen Dingen klar kommen zu müssen. Hilflosigkeit, Verzweiflung, Angst, Wut .... kommen dann hoch und können gefühlt werden. Das hört sich dramatisch an, aber ich bin sehr gerührt von diesen Momenten und ich liebe sie. Besonders wenn Jan dabei ist und ich in seine Schulter weinen kann. Auch wenn ich glaube, dass er das alles nicht so recht versteht. Aber er ist da!

 

Oh viel. Ich fange mal an:

Lauf, auch wenn es nur 100m sind. 100m sind mehr, als keine Meter.

Lauf so langsam wie du kannst, aber lauf!

Lass dir von niemandem sagen, dass du etwas nicht kannst!

Wenn du eine Sehnsucht spürst, gehe ihr nach.

Folge deiner Intuition, wie verrückt sie auch sein mag.

Folge deiner Freude, bedingungslos. Alles andere wird sich ergeben.

Wenn du nicht weißt, was dir Freude macht, dann muckel dich ins Bett und lausche deiner inneren Stimme. Bete, dass du deine Freude wieder findest.

Bete überhaupt viel mehr. Nicht zu Gott oder irgendwas, sondern zu dir selbst. Bitte ehrlich darum einen Weg zu finden.

Sei gut zu dir selbst. Fühle was du fühlst.

 

E

 

 

 

 

 

 

 

 

Ja!

 

Nein, es geht nur weiter.

 

Dass die Schöpfung sich durch mich selbst erfährt.


 

Wenn der Schuh wieder Asphalt betritt, dann ist es nicht mehr weit. Vorbei am neuen Einkaufszentrum. Das P-weg logo hängt an der Fassade. Aber nicht wander, laufen, biken, sondern drei Worte, die im Zusammenhang mit Kaufrausch stehen. Für Männer: Begleiten, bezahlen, bewundern. Für Frauen: Erleben, verzaubern, befriedigen. Oder so....

 

Noch eine Runde um den Stadtkern. Nur noch rechts und dann links auf die Bühne. Jetzt habe ein paar Tränen in den Augen. Kurzes Interview, hätte viel zu sagen, aber mir fehlen die Worte. 

 

Nicht lichtgrün, sondern signalgelb ist die Farbe des Jahres 2017. So wie die sex pistols vor 40 Jahren ihr cover gestylt haben. Sid war seiner Zeit voraus.

Ich gehe mit Shirt, Medaille, Kuchen und Bier Laura entgegen, sage kurz Hallo, Denn Dennis is auch schon da.  

 

Kurz vor dem Wald, der heute die Läufer und morgen die Biker ausspuckt, haben Generationen ein Festzelt aufgebaut. Es gibt Reibekuchen und einen Kurzen. Und ich bin auf der anderen Seite. Von hier geht der Jubel aus, kommt die Motivation und die Herzlichkeit. Hier wird getanzt und gelacht, angesteckt zum Weitermachen. 

 

Es ziehen Mengen von Beinen vorbei. Beine sind schön, sie verkörpern Aufrichtigkeit, Bewegung und sind wohl geformt. Nur wer sie liebt, kann laufen oder Radfahren. 

 

Und dann kommt Steffi, das Weibchen von Dennis. Ich reiche ihr Bier, sie erkennt mich nicht, lehnt ab. Erst als ich nach Laura frage, ist sie klar und sagt, Laura kommt gleich.

 

Und da kommt sie auch schon schön. Ich begleite sie auf die Stadtrunde. Den halben Kurzen musste ich im Festzelt stehen lassen, der ging 1:1 in den Kopf. 

 

Auch Laura muss über die Bühne. Dann Shirt und Medaille und dann après Läufchen. Dazu Pommes und Wurst von nahen Stand. Bezahlung über Wertmarken. Trinkgeld gebe ich trotzdem, keine Trinkwertmarke. Das System muss unterwandert werden. Ein klein Sid ist auch in mir. Nicht nur das, die Pommes sind super, das muss bewertet werden. 

 

 

Was sehen meine weitgelaufen Augen? Ich schaffe nicht mal einen Kurzen und hier werden die Flaschen dazu ausgepackt, die Gläser passend zur Shirtfarbe gefüllt und der Col de Nebel ins Tal geholt. Das ist p-way, way of Life. Einen Kurzen konnte ich dann noch mithalten, dann wurde es mir zu gefährlich.

 

Jetzt zum Bauhof, dort gibt es Duschen. Letztes Jahr gab es ein Bild aus der Badewanne, jetzt aus der Dusche.

 

Wie kann Mensch nur so glücklich sein? 

 

Auch wenn es nicht so klingt, etwas Laktat habe ich doch in den Beinen. Beim ersten mal tat es viel mehr weh. Vorräte noch aufstocken im Einkaufszentrum, Osteopatin Laura triggert noch meine Beine und dann folgen wir Steffi in den Regenerationsschlaf. Denn morgen geht des weiter, etwas Radeln auf dem P-weg.


Zu viel P/weg ist die Kette

 

Was habe ich gestern gemacht? Außer lange laufen, Kurze saufen und den aufrechten Gang bei zu behalten? Ich habe meine Werkzeugtasche am Rad überprüft. Den kaputten Schlauch geflickt und den Kettennieter verstaut. Und alles richtig festgezurrt, das das Klix Fix System der Werkzeugtasche mit der Schwere vom Kettennieter überfordert ist. Mit so viel Sicherheit ruht es sich gut. Bis die Rastlosen anfangen vor der Sonne auf zu stehen.

 

Und wenn man schon auf ist, dann kann ja gleich Gefrühstückt werden. Dennis und Steffi sind auch mit im Essensaal. Die beiden kennen die ganze Welt, Simone, Ingo und wie sie alle heißen. Letzte taktische Besprechung. Bei Dennis ist klar, er würde lieber auf die größere Runde, Laura muss bei der Streckenanalyse passen. Ich versuche nur die Uhr im Blick zu halten, denn die starten auch ohne mich.

 

 

Das Nachtlager ist geräumt, vom Sieg geträumt und der Bock aufgezäumt. Nur der Block ist voll. Ich stehe am Eingang, die gute Fee mit dem EM Band von 2009 aus Falkenburg, NL, (Cyclocross WM 17/18) passt auf, das keiner unerlaubterweise den Block befährt. Dabei ist am Anfang genug Raum und Zeit, um von Hinten nach Vorne zu fahren. Der Kombifahrer fährt eher von Vorne nach Hinten. Da ist noch ein Rest von gestern drin. Ob es ein Kurzer zu viel war, oder die dritte Kurve im Tal des Todes, die Beine sind etwas schwer. Und so rollt die Gruppe am Feuerwerk vorbei in den ersten Berg, der sich gut fahren lässt. Nicht nur weil es trocken ist, auch weil es endlich losgeht, Bräune in den Wäldern rund um Plettenberg sammeln.

 

Noch kenne ich die Strecke vom Laufen und von den Jahren davor. So halte ich mich an der zweiten Steigung schwer zurück, mache oben die Flaschen voll und bleibe im Windschatten auf der Anhöhe. Ein Belgier sagt, in Plettenberg ist man nie alleine auf der Strecke, im Gegensatz zu Belgien. Wenn das kein Lob ist. Der Eddy hat sie wohl alle gefressen. Auf der letzten Rinne geht es durch die Schonung an den Schlagzeugern vorbei. Die singen heute noch aus voller Kehle. Ich mag so was.

 

Auf der Abfahrt geht alle Sicherheit verloren, der Werkzeugkoffer löst sich trotz Riemen. Und das gleich zwei Mal. Und weg ist sie, die erste Frau. Das ist immer eine gute Gruppe, nicht zu schnell und gesittet. Ich stecke den Koffer in die Trikottasche und überlege ihn ganz ab zu geben. So bleibt er wenigstens sauber, denn die Bräune nimmt zu. Tal des Todes. Bekannt. Mühle und Flussquerung. Ich trage mein Rad über den Metalsteg, schiebe auf der anderen Seite hoch, stolpere über die ganzen Körnchen, die starke Fahrer hier liegen haben lassen. Im Wald rolle ich langsam bergan, die gute Luft in den Lungenflügeln und dann kommt die Matte, die Kette spannt sich, hinten kleiner Ring, Steine knirschen, die Reifen walken und heute ist die Strecke fast frei, schlängel mich durch die breiten Lenker und mache sogar noch den Tigersprung über die obere Matte. Hier ist was los, die Sprecherin überschlägt ihr Worte, fast wie damals in Bern: Die zweite Frau müsste kommen und es kommt Jan Leutz, Platz 1, Platz 1 in 24,60 Sekunden.

 

Viele wissen nicht, worum es geht. Der Bergsprint. Ich weiss jetzt, wo der ist und kann es darauf anlegen. Der ist nicht zu lang und auch nicht zu steil. Die Ideallinie ist mir bekannt, weil ich sie am Vortag noch mal abgelaufen bin. Nur andere Fahrer können sich auf dieser befinden, aber dafür habe ich ja Augen im Kopf. Warnende Worte bringen hier nichts, zu laut ist die Anfeuerung der zahlreichen Zuschauer. Und so hat der Sprint auch etwas mit Glück zu tun.

 

Einmal erster beim P-weg, auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist, denn es kommen noch viele Fahrer. Nur die ganz schnellen sind schon durch, aber die fahren um die Gesamtwertung. Und so recke ich den Arm in die Höhe und erzähle allen von meinen Geschick. Das jetzt die Luft raus ist und ich den Anstieg zur Hälfte schiebe und auch sonst erst mal wieder Tritt finden muss, das sieht keiner. Am Ende bin ich glücklich und wie Weltmeister immer zu sagen Pflegen, habe eine gute Show abgeliefert.

 

Streckenteilung, ab jetzt wird es zäh. Ich weiss was noch kommt und wie weh das tun kann. Erstmal zum Sportplatz runter fliegen. Dann der steilste Anstieg, der in eine Schiebepassage übergeht. Oben auf dem Querweg ist alles wieder fahrbar. Der Verbindungsweg zum Almanstieg ist heute bös schlammig, weil hier Holz gerückt wurde. Und als es aus dem Wald heraus geht und die Alm erscheint, will ich endlich angreifen, die Beine sind wiedererwarten gut. Die Spitze ist erst 40min voraus, da geht noch was. Und, nix geht, leere, keine Spannung auf der Kette, weil gerissen. Zehn ganze Jahre habe ich keinen Kettennieter mehr dabei, Zehn Jahre. Und heute habe ich einen. Rad umgedreht, Schadstelle entfernt und neu zusammengedrückt. Bei 11x1 alles einfach, weil die Kette nicht auf dem Kettenblatt sein muss. Nun ist aber die Spitze definitiv weg. Und ich nehme erstmal etwas Drehmoment raus.

 

Letztes Jahr bin ich auf der folgenden Abfahrt zwei (2) Mal gestürzt. Traktorspuren und nasses Graf mit etwas Lehm ergeben Seife mit Schale. Und Zack liegt der Typ vor mir. Ich sage langsam, bin hier 2 (zwei) Mal letztes Jahr gestürzt, das muss nicht sein. Und Zack überschlägt er sich noch mal vor mir, Ich rutsche vorbei und komme zittrig unten an, lasse die Kette ölen bei einer der besten Verpflegungen. Ich glaube, er hat den Rekord von zwei  Stürzen nicht eingestellt, war aber dicht dran. So passiert immer was am P-Weg. Bis zur Spinne, das ist das, was die 74km Fahrer nicht sehen, ist es nur treten und stauen am Stausee, wieviel Wasser der Sommer gebracht hat. Ach ja, der Anstieg zur Spinne ist einer der steileren Art, dafür gibt es oben immer ein lustiges Pläuschen und auf der andern Seite die Fahrer zu sehen, die weit vor einem sind, weil sie die Runde schon fertig haben. Beim Biathlon sind das Strafrunden, hier Erholungsrunden.

 

Flasche mit Cola gefüllt und zurück auf die Hauptstrecke und freuen auf die nächste Abfahrt. Die mit dem Bett, Flussbett. Wasserbett, heute gut gefüllt, gabs auch schon voller und auch als Vadi. Heute genau richtig, schön laufen lassen, bisschen glitschen und endlich nasse Füße holen. Das ist Cross. Das ist Katharina. Sie hat genau das Tempo, um sie vier Mal zu treffen. Hier überhole ich sie vor dem schmalen Weg, der zurück in bewohnte Gebiete führt. Bei der nächsten Verpflegung kommt sie gerade, als ich weiter mache. Die Verpflegungstelle ist ganz gefährlich, weil es hier alles gibt. Von Bier über Brot zu Frucht, neu der Brillenputzservice. Hammer, Danke nach da oben, Danke an die ganze Strecke. Die Strecke tingelt jetzt über den Bergkamm.

 

Keine Angst, es ist nichts passiert, Kette noch unter Spannung, Katharina hinter mir und ich darf auf eine weiter Extrarunde. Der weg wurde neu gemacht und ist sehr tief. Das sind die Momente, wo es die Anderen einfach haben. Katharina zieht vorbei, fährt den Kirchberg und singelt durch die Schonung zu ihrem letzten Anstieg. Der ist schön stetig und da kann alles rausgehauen werden. Nur gut zu wissen, das der Berg nach der nächsten Kurve immer noch lebt, erst beim Funkmast ist er erlegt. Auch für Katharina jetzt wieder hinter mir.

 

Ich biege noch mal rechts ab, ins Tal, wo alle noch der Ziege runter mussten. Jetzt darf ich noch mal hoch. Noch mal die Ziege und wer es jetzt nicht kennt, erlegt sich selbst. Im guten Glauben, nur noch ins Tal rollen zu müssen, geht es noch mal links und steil, wellig am Hang lang zum Spaßtrail. Diese Kehren da kann ich immer noch nicht fahren. Dafür den Rest im Schlaf, wäre nicht Katharina da. Unfein drängel ich mich vorbei, die Stadt ruft. Runde, Medaille und schwarzes Shirt. Und alle sind schon da. Laura, Dennis, Simone, Steffi und Duckdich, bekannt aus den Jahren davor. Schneller Mann und genauso braun wie ich. Und genauso glücklich. Jetzt gibt es keinen Schnaps, kein Champagner, denn das hat sich noch ein Holländer vorgeschoben, beim Bergsprint. Verdient, noch mal 3 Sekunden schneller. Auch gibt es keine Pommes mehr am Wurscht Stand. Zu lecker. Aber nach langen warten darf ich nach 12 Versuchen auf die Bühne. Platz gemacht.

 

 

Und so geht es duschen, fürs Rad und den gestärkten Körper. Wenn die Form doch ein Jahr halten würde. Aber ist es nicht auch schön, den way 2 p-way zu machen, ab Mai für diese Kombi im Sommer zu schwitzen.

 


Jetzt ist Herbst

 

Bis zum nächsten Jahr

 

und was schon 2017 so war

Kommentare: 0