Teil 1: Hecke schneiden

17/02/17 Hamburg Volcxdorf Spielplax

Bei einer meiner zählbaren Crossrunden im Osten von Hamburg habe ich mich einmal an Micha Kusch angehängt. Unsere Stollen passierten viele Sehenswürdigkeiten und plötzlich tauchte zwischen den Bäumen eine BMX Strecke auf.

 

Micha erzählte mir, das die Strecke nicht einfach zu fahren sei und hier schon mal ein Crosser mit dem Rettungswagen abgeholt wurde, weil er über die Wellen gestolpert ist. Also Vorsicht. Wir fahren von einer Rampe herunter über die Wellen, durch Steilkurven und rollen auf einer Geraden aus. Es ist etwas für den kleinen Raddurchmesser und kurzen Radstand. Aber das kann sich ändern.


Irgendwann hörte ich wieder von der Strecke, aus dem Mund von Jörg. Die Strecke ist verwahrlost, keine Zuständigkeit, aber eine neue Nutzung wird angedacht. Cyclocrossstrecke. Jörg schweigt eisern, hat aber die zuständigen Stellen informiert und fragt nach Genehmigung. Doch die Mühlen der Stadt Hamburg sind langsam. Und nach hartnäckiger Nachfragerei kommt, wie aus heiterem Himmel, die Genehmigung. Der zuständige Forstwirt markiert ein bisschen Grün, damit Licht und Wärme auf die Strecke treffen kann. Auch gibt es Fremdholz und Gefährdungspotenzial, was zurück geschnitten werden soll. Doch darf nur bis zum 1. März geschnitten werden, danach nur noch aufgearbeitet.


Freitag, noch 11 Tage bis zum Schnittstopp. Jörg kommt mit dem Laster, Ralf mit seiner eigenen Schnittmaschine und ich aus dem Zug, etwas unpassend mit Radschuhen bewaffnet. Kurz erklärt Jörg, welche Umrandungen an der Strecke geschnitten werden sollen. Der Forstwirt hat sie markiert. Ralf ist nicht zu bremsen. Das Waldmoped schreit kurz auf und das erste Holz fällt. Wir begeben uns aus der Schlagweite und fangen selber an. Meist sind es Laubhölzer, die nach der langen Frostperiode anfangen Saft zu bilden. Erlen, die zu weich zum Keilen sind. So fällt manches etwas in die falsche Richtung, doch schnell wird es zerlegt und sortiert. Die Fichtenhecke lassen wir unberührt, zu viel Arbeit und Respekt. So trennen wir bis die Mopeds gefühlt immer schwer, stumpfer und lauter werden. Durstig sind sie auch noch. Wir versinken im weichen Boden, bleiben an Ranken voller Dornen hängen, schlagen uns durchs Unterholz. Sind in Schweiß gebadet. Holz macht dreimal warm:

 

/ Beim Fällen wegen des Restrisikos des Totschlages

 

--- Beim Verarbeiten wegen der Schwerstarbeit

 

/\/\ Beim Verbrennen wegen der Reduzierung der Entropie im System Holz (dichte Atomansammlung wird in der Luft verteilt und die Bindungsenergie entweicht als Wärme und Licht)

 

Als die Nacht den Tag anfängt aufzufressen, schweigen die Arbeitsgeräte und wir begutachten unsere Kultivierungsarbeiten. Wann geht es weiter? Ein kurzer Blick auf den Terminkalender, gekoppelt mit der Wetterapp und unseren körperlichen Zustand bringt uns zu dem Ergebnis:

f(cx)= t, p, Fk

[Die Funktion der Crossstrecke ist abhängig von den Variablen t=Zeit (haben), p=Druck (luft; Wetter) und Fk=Kraft (im Körper)]   

 

Morgen. Weil sonst kein Termin frei ist, das Wetter auf Sturm zeigt und wir nicht fitter werden, sondern älter. Also Samstag den Rest der Hecke stutzen. 


Und so treten Jörg und ich am Samstag an, die Fichten zu schneiden. Da die Erste auch so fällt, wie geplant, steigt der Mut. Jetzt geht es voran: Baum lesen, Keil schneiden, für Sicherheit sorgen, zur Not Keile treiben, Fallen lassen, Äste absägen und Wipfel entfernen. Zurück bleiben 18-20m Stäbe. Etwas zu groß für ein Streichholz. Bei manchen Exemplaren reicht meine PS52 nicht aus, da muss ein 50er Schwert schneiden, d.h. der Baum hat mehr als 50cm Durchmesser.


Zwei Jungs mit Drohen tauchen auf, filmen das Geschehen von oben und verfangen sich immer wieder im Gehölz. Heutzutage werden die Drohnen mit Cyberbrille geflogen. Die Drohne hat eine Kamera und sendet das Bild direkt auf die Brille. So sind schnelle Manöver möglich. Schnell fallen auch die letzten Fichten und die Hecke ist geschnitten. Nur das Grünzeug muss teilweise noch entfernt werden, sonst ist der Schnitt schon zur Abfuhr bereit. Vielleicht nicht hinter einen PKW, eher auf einem dafür vorgesehen LKW. Doch das wird eine andere Geschichte.

 

Der Forstwirt, der nicht zu gegen war, ist etwas später am Tatort und ist von unserem Tatendrang beeindruckt. Ich merke es auch, die Arme sind noch länger und der die Beine wollen lieber in die Pedale treten, anstelle weiter über Äste und Bäume klettern. Das können sie schon morgen beim Q/P/E #25 Finale haben.

Im März wird aufgeräumt und dann kommt die Schippe, um den Traumsand zu verteilen.

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